Amerikareise

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Es war einmal …

vor drei Jahren, da verirrte sich ein New Yorker auf der Suche nach dem größten Glück dieser Welt ins ferne Oberderdingen. Er fand dort Unterkunft und Arbeit für ein Jahr. Aber nur tagsüber. Die Abende verbrachte er mit der schönsten Sache der Welt: dem Singen mit anderen Menschen. Als das Jahr um war zog es ihn wieder zurück in seine Heimat, nach New York.

 

 

Die Oberderdinger waren beim Abschied recht unglücklich und man versprach sich, sich recht bald wiederzusehen. Wie aber sollte man das anstellen? Ein Komitee wurde gegründet, Besprechungen abgehalten, Nachrichten geschrieben, Lösungen gesucht und nach einigen Jahren auch gefunden: eine Konzertreise!

New York

Ziel der Reise: New York, die Stadt des ewigen Hupens, der überirdischen Untergrundbahnen, der halalen Imbissstände. Die Stadt, die niemals schläft und in der so viele Filme gedreht wurden, dass man an jeder Ecke meint, sie sei nur als Kulisse gebaut worden. 24 tapfere SängerInnen machten sich auf die beschwerliche Reise, und kamen nach fast neunstündigem Flug nur drei Stunden nach Abflug gerädert an. Eine wahrlich wundersame Stadt. Nicht nur die Stadt schläft nie, auch die Reisenden taten sich schwer. Um drei Uhr morgens war die Nacht vorbei, der Tag konnte kommen. Er kam, in Form von einem Bagel, Muffin und, für die ganz schnellen, einem raren Stück Obst.

Was die SängerInnen nicht wussten, ihr Dirigent hatte die leichten Mahlzeiten wie alles andere geplant und vorgesehen, um die Leistung beim Konzert zu maximieren. An alles war gedacht, alles war organisiert: der New Yorker kümmerte sich in seiner Freude alle wiederzusehen um die bescheidene Auftrittsmöglichkeit in der 2500 Personen fassenden Riverside Church zur Prime Time, nach dem Sonntagsgottesdienst. Ein Steinway-Flügel wurde aufgetrieben und das gemischte Programm über jeden Zweifel erhaben vorgetragen. Deutsche Volkslieder, deutsche Messe, Gospels zum Mitsingen, Popsongs, nichts war in dieser Stunde vor dem Chor unter Leitung und Begleitung von Philipp Lingenfelser sicher.
Im Anschluss durfte der gesamte Chor in einem Wohnzimmer Pulled Pork, amerikanischen Kartoffelsalat und diverse Pies zu Mittagessen, in tagelanger Mühsal hergestellt durch den Gastgeber. Mit gutem amerikanischem Craftbier. So wurde es zumindest dargereicht.

New York

Beflügelt vom eigenen Erfolg wurden dienstags die Bewohner der Stadt, die es ob der beschränkten Sitzplätze nicht ins Konzert geschafft hatten, zu einer Galamatinee heimgesucht. Seinen Anfang fand der Gesang in der Metrostation unter dem Timessquare und ging beim Gehen weiter auf selbigen - unter Verlust einiger Sänger, die dem Gruppendruck bezüglich des hohen Qualitätsanspruches nicht standhalten konnten. Bis in den Central Park zog es die fröhliche Bande, wo sich die Reisegefährten schließlich unter Ach und Weh trennten. Man wollte sich am folgenden Donnerstag zur Heimreise wieder treffen.

Wo aber taucht in dieser Geschichte die Brooklyn Bridge auf, wo das Empire State Building? Wo ist China Town, der Halloweenumzug, die Metro, eine Beschreibung des Hotels? Wo sind die langen Abende, die vielen Gespräche, Musicals, wunde Füße, Bootsfahrten und die Freiheitsstatue?
Wir wissen es, doch was zwischen dem Konzert in der großen Stadt und der Heimreise geschah, ist eine andere Geschichte.

Beim Abschied winkte der New Yorker genauso traurig wie drei Jahre zuvor die Oberderdinger, wohlwissend, dass er das größte Glück auf Erden gefunden hatte: eine Freundschaft-Harmonie fürs Leben.

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